„Natürlichkeit ist kein Trend – sondern eine Entscheidung“

Wir sprechen gerade viel über Natürlichkeit. Über weniger Filter, weniger Filler, weniger „gemacht“. Aber was steckt wirklich dahinter? Ein echtes Umdenken – oder nur das nächste Schönheitsideal mit neuem Namen? Und was passiert eigentlich, wenn Frauen in der Lebensmitte plötzlich merken: Ich erkenne mich im Spiegel nicht mehr wieder? Ein Gespräch mit der Dermatologin Dr. Marion Runnebaum (53) über Ästhetik, hormonelle Veränderungen, Social Media, Selbstbild – und die Frage, warum es beim Älterwerden oft um viel mehr geht als um Falten

Fotos: PR

Dr. Marion Runnebaum lächelt in die Kamera
Expertin für natürlich schöne Haut: Für Dr. Marion Runnebaum aus Jena geht es nicht um Optimierung, sondern um Balance – zwischen dem, was wir fühlen, und dem, was wir im Spiegel sehen

Liebe Marion, wir sprechen gerade viel über Natürlichkeit. Ist das wirklich ein Paradigmenwechsel – oder einfach nur ein neues Ideal?  

Dr. Marion Runnebaum: Ich glaube, es war dringend nötig, dass nach all dem „mehr, mehr, mehr“ wieder ein Bewusstsein für Grenzen entstanden ist. Aber wie so oft kippt die Debatte dann sofort ins andere Extrem: Plötzlich wird Hyaluron komplett verteufelt – als würde es grundsätzlich migrieren oder immer unnatürlich aussehen.

So einfach ist es nicht. Wenn Hyaluron richtig eingesetzt wird – in der richtigen Dosierung und an der richtigen Stelle –, ist es ein sehr gutes und sicheres Instrument. Was sich im Moment verändert, ist vor allem das Mindset: Es gibt wieder ein stärkeres Gefühl dafür, dass „zu viel“ eben auch tatsächlich zu viel sein kann.

Viele Patientinnen wirken heute sehr informiert. Ist das echte Aufklärung – oder eher eine neue Form von Druck? 

Ein gewisses Grundwissen ist da, aber oft bleibt es oberflächlich. Viele Patientinnen kommen gar nicht mit einem klaren Wunsch nach einem bestimmten Produkt, sondern eher mit dem Gefühl: Ich möchte frischer aussehen. Weniger müde. Weniger traurig.

Und genau da beginnt für mich Verantwortung. Denn die Entscheidung darf nicht allein darüber laufen, was gerade gehypt wird oder was irgendwo in Social Media empfohlen wurde. Für mich geht es nicht um Milliliter oder um Trends, sondern um individuelle Behandlungspläne – und vor allem um Qualität und Sicherheit. Lieber weniger, aber sinnvoll.

„Man fühlt sich innerlich lebendig – und sieht im Spiegel etwas anderes“

Welche Rolle spielt Social Media heute – gerade für Frauen 40+?

Eine große. Auch wenn viele glauben, sie seien nicht mehr so beeinflussbar: Social Media prägt unsere Wahrnehmung. Vielleicht mit etwas mehr Distanz als mit 20 – aber eben trotzdem. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Bilder und Inhalte einzuordnen. Filter, KI, perfekt inszenierte Vorher-Nachher-Ästhetik – die Grenzen zwischen Realität und Darstellung verschwimmen. Deshalb wird es umso wichtiger, Dinge kritisch zu hinterfragen. Und man darf nicht vergessen: Je älter ein Gesicht wird, desto komplexer wird die Behandlung. Das wird in Social Media oft nicht gezeigt.

Dr. Runnbaum gern mit dem Skinbooster Skinvive von Juvéderm
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„Der Wunsch ist selten: mehr. Der Wunsch ist: wieder ich sein. Es geht dabei nicht um Eitelkeit – es geht um das Gefühl, sich selbst wieder zu erkennen“


Viele Frauen erleben in der Lebensmitte diesen Moment. Sie blicken in den Spiegel und denken: Ich erkenne mich nicht mehr. Was passiert da? 

Das ist ein sehr realer Moment. Natürlich ist das Altern ein schleichender Prozess. Aber irgendwann gibt es diesen Punkt, an dem Frauen das Gefühl haben: Gestern war ich noch ich – und heute sieht etwas anders aus.

Gerade hormonelle Veränderungen spielen dabei eine enorme Rolle. Die Haut wird dünner, das Gewebe verliert an Spannkraft, Strukturen verändern sich. Und manchmal reicht dann eine Kleinigkeit – eine Falte, die plötzlich stehen bleibt, ein abgesunkenes Gesichtsdrittel, ein anderer Ausdruck – und auf einmal wird diese Veränderung sichtbar.

Und dann beginnt oft auch ein innerer Konflikt: Darf ich das überhaupt schlimm finden?

Ja, natürlich. Ich finde, genau das muss man endlich ehrlich sagen dürfen. Viele Frauen kämpfen zusätzlich mit dem Gedanken, ob es oberflächlich sei, sich daran zu stören. Aber darum geht es oft gar nicht.

Es geht häufig um etwas anderes: um das Gefühl, dass Innen und Außen nicht mehr zusammenpassen. Dass man sich innerlich lebendig, wach und präsent fühlt – und im Spiegel etwas anderes sieht. Dieser Moment kann sehr schmerzhaft sein.

Gerade Botox und Hyaluron sind mit vielen Vorurteilen belegt. Wie sieht die Realität aus?

Die Vorurteile halten sich hartnäckig, weil viele schlechte oder übertriebene Ergebnisse natürlich sichtbarer sind als gute. Dabei geht es heute – wenn sauber gearbeitet wird – gerade nicht um starre Gesichter oder Überkorrekturen.

Oft geht es vielmehr darum, Strukturen zu stützen, Gewebe besser zu tragen oder die Hautqualität zu verbessern. Ein Gesicht soll sich weiterhin bewegen, weiterhin kommunizieren können.

Du sprichst oft von Hautqualität statt von Volumen. Warum ist das gerade in der Lebensmitte so entscheidend?

Weil sich die Haut hormonell verändert. Sie wird trockener, feiner, weniger elastisch. Deshalb geht es oft gar nicht darum, mehr Volumen zu schaffen, sondern die Qualität der Haut zu verbessern.

Ich arbeite in solchen Fällen gern mit sehr subtilen Verfahren. Behandlungen wie Skinbooster – etwa Skinvive von Juvéderm – können genau hier ansetzen: Sie verbessern die Hautstruktur, ohne das Gesicht sichtbar zu verändern. Für viele Frauen ist das ein entscheidender Punkt, weil sie sich Frische wünschen, aber nicht „gemacht“ aussehen wollen.

Viele Frauen haben genau davor Angst: dass man es sieht...

Diese Angst ist absolut nachvollziehbar. Und sie ist auch berechtigt.

Deshalb finde ich Zurückhaltung so wichtig. Nicht jede Behandlung muss sofort stattfinden. Nicht jeder Wunsch muss direkt umgesetzt werden. Es geht darum, erst einmal zu verstehen: Was braucht dieses Gesicht wirklich? Das war ja auch bei dir ein Thema: erst einmal vorsichtig gemeinsam zu schauen, was die Haut braucht, statt direkt Volumen zu geben.

Lippenfiller standen lange für übertriebene Ergebnisse. Gleichzeitig scheint sich der Trend zu verändern: weg von „Overfilled Lips“, hin zu natürlicheren, individuelleren Lippen. Beobachtest du das auch in deiner Praxis?

Ja, absolut. Viele Patientinnen wünschen sich heute keine sichtbar aufgefüllten Lippen mehr, sondern ein natürliches, frisches Ergebnis, das zum Gesicht passt. Für mich ist eine Lippenbehandlung dann gelungen, wenn man sie nicht sofort als Behandlung erkennt.

Es geht weniger um Volumen um jeden Preis, sondern um Feuchtigkeit, eine sanfte Kontur und kleine Impulse, die der Lippe wieder mehr Frische und Lebendigkeit geben. Ich arbeite dabei ebenfalls mit dem Skinbooster, also einer sehr feinen Befeuchtung der Lippe von innen heraus. Dafür habe ich auch eine eigene Technik entwickelt, die Hydra Kiss Technik. Sie soll die Lippe unterstützen und wiederbeleben, ohne sie zu verfremden.

Entscheidend ist immer: Die Lippe muss zur Anatomie, Mimik und Persönlichkeit der Patientin passen. Dann entsteht kein „Overfilled“-Look, sondern ein stimmiges, natürliches Ergebnis.

Welche Verantwortung tragen Ärzt:innen heute in einer Branche, die mit Unsicherheiten arbeitet?

Eine sehr große. Viele Patientinnen kommen mit Unsicherheit – nicht mit einer klaren medizinischen Indikation. Und genau deshalb dürfen wir diese Unsicherheit nicht verstärken. Ich versuche immer, meinen Patientinnen das Gefühl zu geben: Es ist nicht so schlimm, wie Sie es gerade empfinden.

Für mich bedeutet Verantwortung einzuordnen, zu beruhigen – und nicht maximal auszureizen, was möglich wäre.

Dr. Runnbaum im HEYDAY-Interview

„Haut ist kein isoliertes Thema – sie reagiert auf alles, was in uns passiert. Pflege ist kein Add-on – sie ist die Basis“

HEYDAY-Interview mit Dr. Marion Runnebaum: Einblick in die Praxis in Jena
Statt schneller Lösungenn setzt Dr. Marion Runnebaum in ihrer Praxis in Jena auf Zeit, Präzision und individuelle Behandlungspläne
HEYDAY-Interview mit Dr. Marion Runnebaum: Einblick in die Praxis in Jena
HEYDAY-Interview mit Dr. Marion Runnebaum: Einblick in die Praxis in Jena
HEYDAY-Interview mit Dr. Marion Runnebaum

Begegnen dir Frauen, die sagen: Ich fühle mich unsichtbar?

Ja, sehr oft. Viele formulieren es nicht immer genau mit diesem Wort, aber sie sagen Dinge wie: Ich erkenne mich nicht mehr. Ich sehe müde aus. Traurig. Nicht mehr attraktiv.

Gerade das untere Gesicht wird häufig als besonders belastend erlebt, weil Veränderungen dort als deutliches Zeichen von Alter gelesen werden. Es geht dann oft weniger um Verschönerung als um den Wunsch, wieder stimmiger auszusehen – mehr bei sich selbst anzukommen.

Aktuell erleben Biostimulatoren ein großes Comeback. Wie bewertest du diesen Hype?

Viele dieser Verfahren sind nicht neu. Sie erleben gerade ein Revival. Ja, sie können wirken. Aber man muss auch Risiken und Grenzen sehen. Für mich ist entscheidend, sehr individuell zu entscheiden – und nicht jedem Trend zu folgen.

Was würdest du einer Frau sagen, die glaubt, mit dem Älterwerden an Wert zu verlieren?

Ich würde sagen: Dieses Gefühl kennen viele Frauen – und es ist ernst zu nehmen. Aber Wert entsteht nicht nur über Aussehen. Ausstrahlung, Erfahrung, Klarheit – all das wächst oft mit dem Alter.

Und gleichzeitig ist es vollkommen legitim, sich Unterstützung zu wünschen. Es geht nicht um Verzicht, sondern um bewusste Entscheidungen.

Es gibt aber auch Frauen, die eines Tages sagen: Ich möchte das alles nicht mehr.

Und das ist genauso legitim. Man darf etwas tun. Man darf es lassen. Man darf seine Meinung ändern. Diese Freiheit ist wichtig.

„Nur weil etwas möglich ist,
heißt es nicht, dass man es tun sollte“

Was wünschst du dir von der Schönheitsmedizin der Zukunft – medizinisch, ethisch und gesellschaftlich?

Ich wünsche mir mehr Qualität, mehr Verantwortung und mehr Bewusstsein. Ästhetische Medizin sollte nicht zur Massenware werden. Es braucht Fachwissen, Erfahrung und einen verantwortungsvollen Umgang. Und gesellschaftlich wünsche ich mir mehr Ehrlichkeit – weniger Inszenierung, weniger Druck.

Du denkst Haut nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs. Warum ist dieser Blick so wichtig?

Weil Haut immer Ausdruck innerer Prozesse ist. Gerade in der Lebensmitte verändern sich Hormone, Regeneration, Stresslevel. Wenn wir Haut isoliert betrachten, greifen wir zu kurz.

Aus diesem Ansatz heraus ist auch deine Pflegelinie entstanden. Was hat dir im bestehenden Markt gefehlt?

Ich habe in der Praxis immer wieder gesehen, dass Behandlungen gut funktionieren – aber die langfristige Hautgesundheit im Alltag oft nicht ausreichend mitgedacht wird.

Mit RU21 skincare geht es genau darum: Haut nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenspiel mit hormonellen Prozessen, Regeneration und Lebensstil. Es geht weniger um kurzfristige Effekte – sondern um langfristige Stabilität und Unterstützung.

HEYDAY-Interview mit Dr. Marion Runnebaum: Das Team von RU21 skincare
Ein Familienprojekt: Die RU21 skincare von Dr. Marion Runnebaum entstand gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn – aus dem Anspruch heraus, Hautgesundheit langfristig zu denken

„Es reicht nicht, Haut punktuell zu behandeln – man muss sie langfristig begleiten“

Viele Marken sprechen von Hightech und Wirkstoffen. Was bedeutet für dich und dein Team wirklich evidenzbasierte Hautpflege?

Evidenz bedeutet, dass Formulierungen nicht nur gut klingen, sondern tatsächlich überprüft sind. Dass Wirkstoffe sinnvoll kombiniert werden, dass Verträglichkeit gewährleistet ist und man versteht, was Haut wirklich braucht.

Es geht nicht darum, immer neue Trends zu verfolgen, sondern darum, Haut nachhaltig zu stabilisieren – mit Formulierungen, die funktionieren und gleichzeitig gut verträglich sind. 

Dr. Marion Runnebaum

„Haut verändert sich nicht nur außen – sondern aus dem Inneren heraus“

Gibt es Momente, in denen dich dein eigenes Spiegelbild irritiert?

Ja, natürlich. Auch ich kenne diese Momente. Fachwissen schützt einen nicht vor dem eigenen Erleben. Vielleicht hilft es, Dinge besser einordnen zu können – aber fühlen tut man sie trotzdem.

Was bedeutet für dich heute „in Würde altern“?

Für mich bedeutet es, bewusst zu entscheiden. Nicht jedem Trend zu folgen, sondern zu schauen: Was passt zu mir?

Darf man als Frau heute optisch altern?

Selbstverständlich. Die eigentliche Frage ist eher, warum Frauen das Gefühl haben, sich dafür rechtfertigen zu müssen.


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Mehr über Dr. Marion Runnebaum

Dr. Marion Runnebaum steht für einen Ansatz in der ästhetischen Medizin, der bewusst auf Zurückhaltung setzt. Statt sichtbarer Eingriffe geht es ihr um Präzision, Hautqualität und ein tiefes Verständnis für die Veränderungen des Körpers – besonders in der Lebensmitte.

In ihrer Arbeit verbindet sie dermatologische Expertise mit einem ganzheitlichen Blick auf Hautgesundheit. Haut versteht sie als Teil eines Systems, das eng mit Hormonen, Regeneration und Lebensstil verknüpft ist.

Aus dieser Haltung heraus entstand auch RU21 skincare: eine Pflegelinie, die Haut langfristig stabilisieren und begleiten soll – statt kurzfristig zu optimieren.

Was ihre Arbeit prägt, ist vor allem eines: der Anspruch, nicht Unsicherheiten zu verstärken, sondern einzuordnen – und Ästhetik als bewusste Entscheidung zu verstehen.

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