Ein Lachen, eine Berührung, ein Blick: Manchmal braucht es nicht viel, damit ein Mensch wieder als Mensch gesehen wird – nicht nur als Pflegefall. Eine Bildgeschichte über Nähe, Erinnerung und die Frage, was Menschen im Alter wirklich brauchen

Im Pflegealltag wird viel versorgt. Aber wer sorgt dafür, dass Menschen sich gesehen fühlen? Zwischen Medikamenten, Mahlzeiten, Therapieplänen und Routinen bleibt oft wenig Raum für jene Momente, die nicht messbar sind – aber viel bedeuten: ein Lachen, eine Berührung, ein Blick, der sagt: Ich bin noch da.
Was im Pflegealltag oft unsichtbar bleibt
Anlässlich der Woche der pflegenden Angehörigen 2026 haben der Podcast Heal2Care, Pflege-Autorin Christina Käßhöfer und Fotograf Mike Meyer genau diese Momente sichtbar gemacht. In der Seniorenresidenz BRK Schloss Garatshausen am Starnberger See wurden Bewohnerinnen und Bewohner – allein, als Paar oder gemeinsam mit ihren Angehörigen – professionell porträtiert.
Ein Tag, der anders war
Für das Shooting gab es für alle ein professionelles Make-up und Hair-Styling. Danach: Vorfreude, Aufregung, viel Lachen, gehaltene Hände und Erinnerungen, die plötzlich wieder ganz nah waren. Für manche Paare war es das erste schöne gemeinsame Foto seit langer Zeit. Für einige Familien wurde der Termin zu einer kleinen Zusammenführung.

Ein gemeinsames Foto nach vielen Jahren: Die Paare zeigen, wie viel Nähe, Vertrautheit und gemeinsame Geschichte in einem einzigen Blick liegen können



„Menschen brauchen Nähe und Leichtigkeit. Gesundheit hängt entscheidend vom seelischen Gleichgewicht eines Menschen und zwischenmenschlichen Beziehungen ab, der auf Unterstützung angewiesen ist. Altwerden ist eine andere, aber deswegen nicht weniger wichtige Lebenszeit“
Christina Käßhofer
Mehr als ein schönes Bild
Zwischen Kamera, Styling und Begegnung wurde spürbar, was Menschen aus einem langen Leben mitbringen. Viele der Bewohnerinnen und Bewohner, die meisten von ihnen Jahrgang 1938 bis 1942, sprachen über das, was sie durch ihr Leben getragen hat: aktiv bleiben, Sport treiben, arbeiten, eine gute Partnerschaft führen. Andere erzählten vom Glück, Kinder an der Seite zu haben, die sich kümmern – im Alltag, in kleinen Gesten, in praktischer Hilfe. Und auf die Frage, was eine lange Ehe zusammenhält, fiel auch eine Antwort, die so schlicht wie lebensklug war: manchmal im richtigen Moment den Mund zu halten.

„Das Leuchten in den Augen der Fotografierten zu sehen und mit ihnen über ihr Leben zu sprechen, war ein besonderer Moment, der viel Freude bereitete“
Mike Meyer
100 Jahre – und so viel Leben im Blick
Die älteste Teilnehmerin, 100 Jahre alt, erzählte mit wachen Augen von Segelturns auf dem Starnberger See und Skiausflügen bis ins hohe Alter. Ein Leben, das nicht nur in Jahren gemessen werden kann, sondern in Bewegung, Erinnerungen, Beziehungen – und in dem Wunsch, weiter als Mensch wahrgenommen zu werden.
Die leise Kraft der Nähe
„Menschen brauchen Nähe und Leichtigkeit“, sagt Christina Käßhöfer, die selbst viele Jahre ihren an Parkinson erkrankten Vater begleitet hat. Pflege sei nicht nur Versorgung, sondern auch Beziehung, Erinnerung und seelische Stabilität. Altwerden, so ihre Haltung, sei eine andere Lebenszeit – aber keine weniger wichtige. Die entstandenen Porträts zeigen deshalb mehr als schöne Bilder. Sie zeigen Menschen, die gesehen werden wollen. Mit ihrer Geschichte, ihrer Liebe, ihrer Verletzlichkeit und ihrer Würde.





Mehr über das Projekt
Christina Käßhöfer ist Sachbuch-Autorin, Pflege-Expertin und war selbst über viele Jahre pflegende Tochter. In ihrem Buch Plötzlich Pflege erzählt sie von den emotionalen Herausforderungen im Pflegealltag, von Überforderung, Selbstfürsorge und einem neuen Blick auf das eigene Älterwerden. Mit dem Video-Podcast Heal2Care schafft sie seit 2025 eine Plattform für Austausch, Wissen und Ermutigung rund um würdevolles Altwerden und Pflege. Fotograf Mike Meyer porträtiert international Künstler, Sportler und Persönlichkeiten und engagiert sich mit Projekten wie Faces of Humanity für mehr Menschlichkeit im Bild. Gemeinsam möchten Käßhöfer und Meyer mit der Aktion zeigen, wie wichtig Sichtbarkeit, Nähe und Würde auch im hohen Alter bleiben.



















