Zurück in die eigene Mitte: Es beginnt oft leise – mit weniger Energie, einem Körper, der sich verändert, und dem Gefühl, nur noch zu funktionieren. Über Jahre stellen viele Frauen sich selbst zurück, passen sich an, halten alles zusammen. Bis irgendwann etwas kippt. Und oft sind es Bauch und Beckenboden, die sich zuerst melden. Elena Lierck (45) kennt diesen Moment – aus ihrer Arbeit und aus ihrem eigenen Leben. Mit uns spricht sie über Erschöpfung, Care-Arbeit und darüber, wie wir wieder zurückfinden können – in unsere Kraft, in unseren Körper, in unsere Mitte

HEYDAY: Dein Projekt Baucharbeit steht für Verbindung, nicht für Optimierung. Warum beginnt für dich so viel Kraft im Bauch – körperlich wie emotional?
Elena: Der Bauch – unsere Körpermitte – ist für mich das Zentrum von Körper, Geist und Seele. Ganz konkret sogar der Bauchnabel. Der Ausdruck „Nabel der Welt“ beschreibt genau das: den Mittelpunkt. Und genau das ist er auch für uns.
Der Bauch und auch der Beckenboden sind ein Spiegel unserer Seele. Es geht deshalb nicht um Optimierung, sondern um Verbindung – mit sich selbst und dem eigenen Körper.
Unser Körper trägt uns durchs Leben. Mal leicht, mal schwer. Und gerade in den schweren Phasen braucht es Zuwendung, Selbstliebe und Akzeptanz.
Mein eigener Weg war nicht immer einfach. Und genau deshalb ist es mir heute so wichtig, Frauen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu gehen – in Verbindung mit sich selbst und vielleicht auch liebevoller.
Viele Frauen erleben ab Mitte 40 einen Wendepunkt. Was beobachtest du bei den Frauen, mit denen du in dieser Phase arbeitest?
Es ist unglaublich vielschichtig. Frauen bringen so viele Erfahrungen mit – Verantwortung, Brüche, Stärke, aber auch Müdigkeit. Man könnte auch sagen: Sie sind erschöpft vom Leben. Viele haben das Gefühl, ihre eigene Mitte verloren zu haben. Körperlich zeigt sich das oft sehr konkret: ein instabiler Bauch, Beckenboden-Themen, Inkontinenz und Schmerzen – oft am Rücken. Gleichzeitig ist da dieses enorme Maß an Verantwortung – für Familie, Job, alles.
Was ich ganz stark beobachte: Frauen sind nicht ausgebrannt. Sie sind oft ausgebremst. Müde davon, sich immer wieder anzupassen, zu funktionieren, sich selbst hintenanzustellen. Und dann kommt oft irgendwann dieser Moment – Anfang, Mitte 40 – in dem sich etwas verschiebt. Wo plötzlich die Frage auftaucht: Und wo bleibe ich eigentlich?
Du hast selbst Beckenboden-Themen, Operationen und einen langen körperlichen Weg hinter dir. Was hat dich das über Geduld, Selbstannahme und weibliche Stärke gelehrt?
Ich habe gelernt, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss. Und dass Veränderung zum Leben gehört – im Kleinen wie im Großen. Mein Weg begann schon sehr früh. Als Jugendliche hatte ich beim Sport immer wieder mit Inkontinenz zu tun, ohne zu wissen, dass das nicht normal ist. In den 90ern wurde darüber einfach nicht gesprochen. Ich habe Strategien entwickelt, um damit umzugehen – mehr aus Not als aus Wissen.
Mit meinen Schwangerschaften wurde das Thema wieder präsenter. Die Geburten waren sehr herausfordernd, körperlich sowie emotional. Dinge, über die man heute offener spricht, wie etwa Eingriffe unter der Geburt, haben Spuren hinterlassen – in meinem Körper und auch in meiner Seele.
Später kamen weitere körperliche Herausforderungen dazu – Rektusdiastase, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Instabilität. Und gleichzeitig habe ich bei meiner Arbeit mit Frauen gesehen, wie viele ähnliche Themen haben.
Was ich daraus gelernt habe: Der Körper spricht mit uns. Und wenn wir nicht zuhören, wird er lauter.
Heute sehe ich vieles, was ich früher als Schwäche empfunden habe, als Teil meiner Stärke. Weil es mich gezwungen hat, hinzuschauen – und wieder in Verbindung mit mir zu kommen.

„Der Bauch und auch der Beckenboden sind ein Spiegel unserer Seele. Es geht deshalb nicht um Optimierung, sondern um Verbindung – mit sich selbst und dem eigenen Körper
Du kommst aus dem Leistungssport und arbeitest heute mit Frauen, die oft erschöpft sind – körperlich wie mental. Wie hat sich dein Blick auf Leistung, Regeneration und echte Energie im Laufe der Jahre verändert?
Sehr stark. Im Leistungssport war es normal, an und über Grenzen zu gehen. Dieses Denken habe ich lange auch in mein Leben übertragen. Heute sehe ich das anders. Leistung kann nur funktionieren, wenn Regeneration mitgedacht wird – vielleicht sogar als Grundlage.
Ich vergleiche das oft mit einem Baum: Er wächst nicht, weil er sich zwingt, sondern weil er die richtigen Bedingungen hat – Licht, Wasser, Nährstoffe. Und genau so ist es bei uns. Ohne Pausen, ohne echte Erholung trocknen wir innerlich aus und gehen irgendwann ein. Energie fließt nur, wenn sie fließen kann. Und dafür müssen wir lernen, auf uns zu hören.
Bei deiner Tochter Kalea wurde die Multisystemerkrankung ME/CFS diagnostiziert. Wie hat sich dein Leben verändert, als klar wurde: Das ist kein vorübergehender Zustand?
Die Diagnose war ein Schock. Ohnmacht, Verzweiflung – und gleichzeitig dieser sofortige Gedanke: Ich muss eine Lösung finden. ME/CFS ist eine schwere neuroimmunulogische Erkrankung, die oft zu einem hohen Grad körperlicher Behinderung, extremer Erschöpfung und zu massiven Einschränkungen im Alltag führen kann. Mir war schnell klar, dass das die größte Herausforderung meines Lebens wird. Mein Leben hat sich komplett verändert – in allen Bereichen.
Ich bin mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen, und habe die Initiative NichtGenesenKids gegründet, um aufzuklären und zu vernetzen. Gleichzeitig hat mich diese Situation an meine eigenen Grenzen gebracht. Zu wenig Schlaf, zu wenig Ruhe, zu viel Verantwortung, Sorgen und Ängste – irgendwann waren die Ressourcen aufgebraucht.
Der Moment, in dem ich zugelassen habe, dass diese Krankheit vielleicht nicht einfach „wieder weggeht“, war unglaublich schwer – aber auch ein Wendepunkt. Es ging nicht mehr nur ums Kämpfen, sondern auch ums Annehmen. Und darum, einen neuen Umgang mit den eigenen Kräften zu finden.
„Der Moment, in dem ich zugelassen habe, dass diese Krankheit vielleicht nicht einfach ‚wieder weggeht‘, war unglaublich schwer – aber auch ein Wendepunkt. Es ging nicht mehr nur ums Kämpfen, sondern auch ums Annehmen. Und darum, einen neuen Umgang mit den eigenen Kräften zu finden“
Was hat dich in dieser Zeit innerlich am meisten erschüttert – und was hat dich gleichzeitig stärker gemacht?
Erschüttert hat mich vor allem, wie wenig Wissen es über diese Krankheit gibt – und wie oft Betroffene nicht ernst genommen werden. Dieses Gefühl, nicht gesehen zu werden, ist sehr belastend.
Auch persönlich war es eine harte Zeit. Beziehungen haben sich verändert, Menschen sind gegangen. Gleichzeitig gab es Situationen, die mich fast gebrochen hätten. Was mich gestärkt hat, war die Rückbesinnung auf mich selbst. Ich habe angefangen, mir bewusst kleine Momente zu nehmen – manchmal nur fünf Minuten. Aber diese fünf Minuten haben viel verändert. Ich habe mich wieder stärker auf meine eigenen Ressourcen konzentriert – auf das, was da ist. Und auf das, was ich beeinflussen kann.





Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Ich muss meinen Körper jenseits der 40 anders versorgen als früher?
Ja, den gab es ganz klar. Meine Knieverletzung 2024 war so ein Moment. Kreuzband, Innenband, Meniskus – plötzlich stand alles still. Ich war schockiert. Und gleichzeitig wusste ich tief in mir: Das kommt nicht aus dem Nichts. Zu wenig Schlaf, zu viel Stress, unregelmäßiges Essen, viel Druck von allen Seiten.
Mein Körper hat schon lange mit mir gesprochen. Ich habe nur nicht wirklich hingehört – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn auch Tinitius wurde ein Thema. Nun wurde es Zeit, mich wieder an erste Stelle zu stellen. Manchmal muss alles brechen, damit man es wieder neu zusammensetzen kann.
In Phasen von Dauerstress, Patchwork-Familie und emotionaler Belastung:
Was trägt dich im Alltag wirklich – körperlich wie mental?
Ich besann mich auf all mein Wissen. Ich habe lange gedacht, ich bekomme das schon irgendwie hin. Aber irgendwann geht das nicht mehr. Dieser Moment hat mich gezwungen, stehen zu bleiben. Wirklich hinzuschauen. Und mich zu fragen: Was brauche ich eigentlich? Und was benötigt mein Körper jetzt – in dieser Phase meines Lebens, wenn ich in die Wechseljahre komme?
Ganz klar: Mein Körper braucht einfach mehr Fürsorge als mit 20. Ich habe angefangen, wieder mehr auf mich zu achten, regelmäßiger zu essen und Alkohol nur noch ausgwählt und bewusst zu trinken. Auch kleine Dinge wurden wichtig: Atempausen, kurze Inseln im Alltag, einfach mal kurz rausgehen und durchatmen. Es sind oft diese fünf Minuten, die einen Unterschied machen. Nicht perfekt sein – sondern sich selbst wieder wahrnehmen. Das hat für mich alles verändert. Außerdem vertraute ich mich meinen engsten Freundinnen an und machte ein professionelles Coaching.
Du hast dich bewusst entschieden, Kreatin in deine Supplement-Routine einzubauen. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
Kreatin ist für mich tatsächlich ein wichtiger Baustein als ein Teil meiner Selbstfürsorge geworden. Ich habe gemerkt, dass ich über den Tag hinweg stabiler Energie habe. Weniger dieses Auf und Ab. Ich fühle mich belastbarer und gleichzeitig innerlich ruhiger. Es geht dabei gar nicht um Leistung im klassischen Sinne, sondern um Energie im Alltag. Um die Kraft, die ich brauche, um durch den Tag zu gehen – körperlich und mental. Auch meine hormonelle Dysbalance während der Perimenopause wurde deutlich weniger. Ich spüre wieder mehr Leichtigkeit in meinem Leben und fühle mich viel näher bei mir.
Auch deine Tochter Kalea nimmt Kreatin. Wie kam es dazu und was hat sich dadurch verändert?
Auf Kreatin bin ich eher zufällig gestoßen – im Zusammenhang mit meinem Engagement für ME/CFS. Beim ersten Long-Covid-Kongress in Jena 2022 habe ich mich intensiver mit möglichen Ansätzen für Betroffene beschäftigt und bin dabei auf das Thema Kreatin aufmerksam geworden.
In Gesprächen ging es vor allem um den möglichen Mehrwert bei Long Covid, Post-Vac-Syndrom (mögliche Folgen nach Impfung) und ME/CFS – insbesondere im Hinblick auf Fatigue, Erschöpfung, Muskeldysfunktionen und Regeneration. Für mich war der Gedanke schnell klar: Ich habe nichts zu verlieren.
Anfangs hat Kalea Kreatin nur unregelmäßig genommen. Doch als wir begonnen haben, es konsequent in den Alltag zu integrieren – sie genauso wie ich – haben wir nach und nach Veränderungen bemerkt. Heute nimmt sie es, ergänzend zu anderen Supplements, seit fast zwei Jahren täglich. Und wir sehen, wie sich langsam, aber spürbar etwas verschiebt: mehr Stabilität, mehr Kraft, mehr Belastbarkeit – Schritt für Schritt. Für uns ist es ein spürbarer Zugewinn an Lebensqualität.
☞ Warum Kreatin gerade für Frauen ab 40 interessant ist, haben wir HIER bei HEYDAY ausführlich erklärt:
Kraft und Energie für Frauen über 40 – wie Kreatin in den Wechseljahren helfen kann


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Elenas Tochter Kalea (16) lebt seit 6 Jahren mit ME/CFS – einer schweren, zu wenig erforschten Erkrankung, die das Leben stark einschränkt und selten ein „normales“ Leben außerhalb des Zimmers erlaubt. Auszeiten wie in Marokko 2026 (Bild oben) sind ein Wunder und bedürfen monatelanger Planung und Vorbereitung, als auch Umsetzung. ME/CFS ist eine der lebenseinschränkensten Krankheiten – mit wenig Erfolg auf Heilung

„Vor 2 Jahren war nicht einmal eine kurze Autofahrt möglich. Aber aufgeben ist für uns als kleine Familie keine Option“
Wann fühlst du dich heute – mit allem, was du trägst – am stärksten?
In den kleinen Momenten. Wenn ich draußen bin und die Natur spüre und wenn ich meine Kinder lachen höre. Wenn ich sehe, dass sich etwas bewegt – ein kleiner Fortschritt, ein guter Tag, ein bisschen mehr Leichtigkeit. Stärke ist für mich heute nicht laut. Sie ist ruhig, klar und sehr nah bei mir. Und sie hat viel mit Liebe zu tun – zu mir selbst und zu den Menschen, die mich begleiten.
Was bedeutet es heute für dich, wirklich in deiner Mitte zu sein?
Für mich bedeutet es, bei mir zu bleiben. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Zu spüren, was ich brauche – und mir das auch zu erlauben. Ein Beispiel: Ich gehe wieder regelmäßig tanzen, weil mir das unglaublich gut tun und dabei loslassen kann. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern ehrlich mit mir selbst. Meine Mitte ist nichts Starres. Sie verändert sich, genau wie ich und meine Bedürfnisse sich verändern. Meine Mitte gibt mir in jeder Situation Halt. Und sie erinnert mich daran, dass ich immer wieder zu mir zurückfinden kann.
Was möchtest du Frauen sagen, die sich müde fühlen, viel tragen – emotional wie körperlich – und wieder in ihre Kraft kommen wollen, ohne sich ständig selbst optimieren zu müssen?
Ich glaube, der wichtigste Schritt ist, sich selbst wieder ernst zu nehmen. Wir tragen so viel – für andere, für unser Umfeld, für unsere Familien. Und dabei verlieren wir uns oft selbst aus dem Blick.
Es geht nicht darum, perfekt zu werden. Oder alles „richtig“ zu machen. Aber es macht einen Unterschied, ob wir anfangen, uns zuzuhören und uns zu fragen: Was brauche ich eigentlich? Veränderung passiert nicht von heute auf morgen. Aber sie ist möglich. Immer. Und manchmal beginnt sie ganz leise.

Foto: BILD der FRAU / Axel Kirchhof


„Veränderung passiert nicht von heute auf morgen. Aber sie ist möglich. Immer. Und manchmal beginnt sie ganz leise. Der wichtigste Schritt ist, sich selbst zuzuhören“



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Mehr über Elena Lierck
Elena Lierck aus Dresden arbeitet mit Frauen daran, wieder in Verbindung mit ihrem Körper zu kommen – besonders mit ihrer Mitte. Mit ihrem Unternehmen Baucharbeit verbindet sie Bauch und Beckenboden und begleitet Frauen zurück zu Stabilität, Kraft und Vertrauen. Ihr Ansatz ist persönlich geprägt: durch eigene körperliche Erfahrungen, aber auch durch die Erkrankung ihrer Tochter Kalea an ME/CFS – eine schwere, kaum erforschte Krankheit, die das Leben ihrer Familie grundlegend verändert hat.
Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie die Initiative NichtGenesenKids und engagiert sich in vielen weiteren Projekten, um aufzuklären, zu vernetzen und betroffenen Familien eine Stimme zu geben. Heute verbindet sie beides – ihre Arbeit mit Frauen und ihr gesellschaftliches Engagement. Immer mit dem gleichen Ziel: zurück zu sich selbst zu finden. Und die Dinge sichtbar zu machen, über die viel zu lange geschwiegen wurde.



















