Pro-Age oder Anti-Age?

Maria Schiffer

Die Autorin und Yoga- und Wellbeing-Expertin Elena Lustig feierte dieses Jahr ihren 50. Geburtstag und blickt mit Freude aufs Älterwerden. Warum eine positive Einstellung so wichtig ist und wie man sie erlangt, erklärt sie uns in einem Plädoyer für Akzeptanz und Gelassenheit.

Manche Dinge werden mit zunehmendem Alter mühsamer, unser Energie-Level sinkt, wir vergessen vielleicht eher etwas, die Haut wird schlaffer, die Muskulatur baut ab, wir werden immer steifer. Auch gesellschaftlich gesehen ist die Phase ab 40 oder spätestens ab 50 manchmal herausfordernd. Uns stehen beruflich und privat nicht mehr alle Türen offen, wir befinden uns nicht mehr in der Aufbau- und Hoffnungsphase, sondern schon langsam in einem Lebensabschnitt, in dem wir erste Bilanz ziehen. Wir fragen uns, wie wir es schaffen können, auch mit 40 und älter noch irgendwie cool zu sein, unseren Platz in der Gesellschaft zu halten oder uns sogar neu zu erfinden.

Das Schöne am Älterwerden ist, dass wir uns selbst immer besser kennenlernen. Wir haben mit uns selbst schon einiges mitgemacht und unsere Schlüsse daraus gezogen. Unser Freundeskreis steht weitgehend, viele von uns haben eine Familie gegründet und wir sind sozial gut vernetzt. Wir wissen, wie wir auf Stress reagieren und wie wir uns entspannen können. Wir haben Strategien entwickelt, um Probleme zu lösen, und haben uns irgendwie durchgekämpft. Wir können stolz sein auf alles, was wir geschafft haben. Und trotzdem haben die meisten von uns ein Problem damit, älter zu werden.

Wir altern – ob wir wollen oder nicht.

Doch liegt es an uns selbst, wie wir diesen Raum ausfüllen, wie wir uns definieren, wie wir uns selbst sehen – wer wir sind, wer wir sein wollen und wie wir unseren Weg ab 40 gestalten. Wir können uns entscheiden, ob wir unseren Blick auf das wenden, was beim Älterwerden schwierig wird, oder ob wir das in den Mittelpunkt rücken, was das Älterwerden schöner und reicher macht. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Anti-Age und Pro-Age.

Mit der Anti-Age Haltung nehmen wir den Kampf gegen etwas auf, das wir nicht gewinnen können: Wir können die Zeit weder anhalten, noch zurückdrehen. Gegen das Alter zu sein und Falten zu bekämpfen bringt also gar nichts, oder hilft nur vorübergehend. Wir altern, ob wir wollen oder nicht.

Pro-Age dagegen bedeutet anzuerkennen, dass das Altern ein Prozess ist, der seine guten Seiten hat: Wir werden klarer in unseren Entscheidungen, bewusster in dem was und wie wir konsumieren, wir haben viel Lebenserfahrung und auch in unserem beruflichen Umfeld inzwischen einen gewissen Experten-Status erreicht. Idealerweise werden wir auch gelassener.

Ohne uns würde die Gesellschaft auseinanderfallen. Wir halten die Generationen zusammen, wir sind die weisen Frauen, die zurück und nach vorne schauen. Wenn wir uns selbst nicht feiern, wer soll es dann tun?
Das macht uns zu RatgeberInnen und Mentorinnen. Natürlich sollten wir jüngeren Menschen immer die Möglichkeit lassen, ihre Erfahrungen selbst zu machen. Aber wir können unsere Erfahrung und unseren Rat zur Verfügung stellen und dann da sein, wenn wir gebraucht werden. Unsere große gemeinsame Kraft liegt darin, uns gegenseitig zu unterstützen, einander zu stärken, uns miteinander zu verbinden und zu „networken“.

Und wir sollten uns unbedingt bewusst werden, dass die Zeit unser kostbarstes Gut ist: Unsere einzige Ressource, die nicht wieder aufgefüllt werden kann. Deshalb sollten wir Zeit-Geiz entwickeln, also mit unserer Zeit geizig werden, denn wir sind nicht mehr 20. Wenn wir darauf achten, womit und mit wem wir unsere Zeit verbringen und auch Zeit für uns selbst einplanen, können wir eine neue Bewusstheit und Qualität in unser Leben bringen.

Wir sollten Zeit-Geiz entwickeln – genau darauf achten, mit wem oder was wir unsere Zeit verbringen wollen.

Pro-Age bedeutet, auf sich selbst zu achten, mit dem Leben mitzugehen und dafür zu sorgen, dass wir nicht in den Mangel kommen. Falten sind kein Mangel, graue Haare auch nicht. Pro-Age bedeutet, für das Älterwerden zu sein. Kosmetik sollte unsere Haut nähren und füttern und ihr geben, was sie braucht um satt und frisch zu sein. Unsere Nahrung, die geistige und die physische, sollte uns mit der Lebensenergie erfüllen, die unseren älter werdenden Körper optimal versorgt. Ausreichend Schlaf, frische Luft, eine gute Life-Work-Balance, Wissensdurst, Meditation und Yoga sind nur einige Werkzeuge, die uns optimal dabei unterstützen Pro-Age zu denken, zu handeln und zu fühlen. Eine gute und gesunde Lebensführung lässt uns automatisch besser aussehen, weil wir von innen her strahlen.

Wenn wir es schaffen, unser Älterwerden als eine Errungenschaft und ein Verdienst anzusehen, wenn wir lernen, auf das was hinter uns liegt, stolz zu sein, dann können wir unsere Energien optimal nutzen und uns auf das konzentrieren, was uns das Gefühl von Stärke, Unabhängigkeit und Freiheit gibt. Auf diese Weise können wir nicht nur uns selbst optimal unterstützen, sondern auch da sein für jene, die uns brauchen – unsere Kollegen, unsere Freunde und unsere Familien. 


Elena Lustig, 50, ist langjährige Buddhistin, zertifizierte Anusara-Yoga-Lehrerin und Coach, Meditations-Lehrerin und Autorin des Buches Pro Age Yoga.

“Pro-Age Yoga – Selbstbewusst älter werden“, das aktuelle Buch von Elena Lustig, ist gerade im Theseus Verlag (24 Euro) erschienen. Zu ihrem Buch hat sie ein spannendes Online-Coaching-Programm entwickelt, das Menschen darin unterstützt, ihr volles Potential auszuschöpfen, ihre wertvolle Zeit zu nutzen und sich auf allen Ebenen weiter zu entwickeln. Alle Infos rund um Pro-Age und Wellbeing findet ihr auf der Webseite Elena Lustig Yoga.


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