„Wir brauchen Altersvielfalt in den Unternehmen!“

Frauen in der Lebensmitte mit erstklassigen Referenzen – und nur Absagen bei der Jobsuche? Wie kann das sein, fragt sich HEYDAY-Autorin Nicole Waldschmidt (57) in ihrer Kolumne #1. Das große Anliegen der Self-Marketing-Mentorin: Aufmerksamkeit für das Thema Altersvielfalt in Unternehmen zu erzielen und Brücken zwischen den Generationen zu bauen.
PLUS: Fünf Quick-Tipps für die Büro-Praxis

„Gen Z, Gen Z und noch mal Gen Z.

Wann sprechen wir endlich über uns?“

Ich traute meinen Ohren nicht, als mir eine der klügsten Frauen in meinem Freundeskreis erzählte, dass sie bei ihrer aktuellen Jobsuche weiterhin eine Absage nach der anderen von Unternehmen kassierte, obwohl sie sich zuvor einen hervorragenden Namen in ihrer Branche gemacht hatte. Sie gab nicht auf und bekleidet heute erfolgreich eine bedeutende Position. Doch ihr Weg dorthin war steinig.

Diese Geschichte steht stellvertretend für zahlreiche Erfahrungen von Frauen, die ich seit einigen Jahren höre. Was haben diese Erzählungen gemeinsam? – Die Protagonistinnen stehen in der Mitte ihres Lebens, sind ohne Ausnahme angenehme Frauen und verfügen zudem über erstklassige Referenzen.

Wie kann das sein? Hat es womöglich mit dem Alter zu tun?

Mein Verdacht erhärtet sich: Ist es etwa der Geburtsjahrgang, der bei den Entscheiderinnen und Entscheidern in den Reihen der Unternehmen ein Nasenrümpfen hervorruft? Ich recherchiere und entdecke einen Beitrag auf der Homepage von Randstad, einem Unternehmen für Zeitarbeit und Personalvermittlung. Dort entnehme ich, dass sich zwar das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gegen die Diskriminierung sämtlicher Altersgruppen richtet, aber vorwiegend ältere Menschen von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffen sind. Und das ist noch nicht alles: Altersdiskriminierung kommt laut einem dortigen Gastbeitrag von Tijen Onaran in Deutschland doppelt so häufig vor wie Diskriminierung aufgrund des Genders.

Alle Generationen sind wichtig! Haben wir etwa den Löffel abgegeben, ohne es zu merken?

Warum sind wir nur so leise? Schluss damit!

Seit einigen Jahren jagen Unternehmen die Gen Z. Es wird erforscht, was die Gen Z benötigt, um sie an Bord zu bekommen, und was Unternehmen tun können, um sich für die Generation der Zukunft gut aufzustellen. Sämtliche soziale Netzwerke und Magazine sind voll von Studien, Büchern, Artikeln rund um die Gen Z. Bei aller privater Sympathie für diese Generation: Wo finden WIR statt? Wo wird erforscht, was WIR, die älteren Generationen, an unseren Arbeitsstätten benötigen?

Wir werden älter! – Der demografische Wandel

Die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert sich in den nächsten Jahrzehnten. Der Anteil der älteren Menschen wächst und der Anteil der Jüngeren an der Gesamtbevölkerung nimmt dafür ab. Für den Arbeitsmarkt bedeutet dies, dass die Relevanz der älteren Menschen deutlich steigt und es Lösungen bedarf, um die Gruppe der Älteren länger im Job zu behalten.

Der Fachkräftemangel macht zusätzlich ein Umdenken seitens Unternehmen dringend erforderlich. Es kann nicht sein, dass die Anzahl der verfügbaren Fachkräfte künstlich verknappt wird, weil die älteren Generationen auf den Abstellgleisen der Republik landen! Warum aber ist es um uns so leise?

„Es kann nicht sein, dass die Anzahl der verfügbaren Fachkräfte künstlich verknappt wird, weil die älteren Generationen auf den Abstellgleisen der Republik landen!“

Ursachen für die Benachteiligung Älterer: Vorurteile

Schenken wir den Vorurteilen Glauben, halten wir starr an Bewährtem fest, es graust uns vor neuen Technik-Lösungen, wir sind öfter krank und weniger leistungsfähig. Allzu verständlich, dass dies zu Unmut und Empörung in unseren Reihen führt! Wir haben schließlich nicht nur am Aufbau relevanter Bereiche mitgewirkt und mit unserer Lösungsorientierung Kunden gewonnen, sondern oft zig Umstrukturierungen auf unseren Buckeln.

Und was die Technik betrifft: Ist nicht manch eine von uns sogar ihren eigenen Töchtern und Söhnen voraus, wenn es um Instagram, TikTok & Co. geht? – Wir verstehen uns: Von breit angelegter digitaler Ahnungslosigkeit kann wahrlich keine Rede sein.

HEYDAY-Kolumne von Nicole Waldschmidt (#1)
Foto: Birgit Ehlers

Alt gegen jung. Unser Ernst?

Doch die Schubladen werden nicht nur für uns ältere Generationen weit geöffnet und mit pauschalen Annahmen gefüllt. Die Gen Z muss sich dafür hartnäckig unter anderem das Image der „Arbeitsunwilligen“ und „der Generation der utopischen Ansprüche“ gefallen lassen. Auch diese Verallgemeinerungen kann ich weder gutheißen noch aus der Praxis bestätigen.

Mit diesen Altersbildern wird Silo-Denken zwischen Alt und Jung ordentlich befeuert. Doch dabei wird es immer wichtiger, dass wir gut miteinander klarkommen und uns sogar die Vorteile von altersgemischten Teams zunutze machen. Mehrere Studien belegen den Vorteil von Diversität in Organisationen – und das Alter ist aufgrund des demografischen Wandels sogar eine besonders relevante Dimension.

„Wir gingen Hand in Hand. Über Alter sprachen wir nicht. Und das funktionierte großartig. Natürlich gab es auch mal Differenzen, aber es waren Differenzen zwischen Menschen und nicht zwischen Generationen“

Gen Z, Gen Y, Gen What? – Egal. Wie es auch gehen kann

Wie ging es mir in der Medienbranche und meiner späteren Selbstständigkeit im Umgang mit den verschiedenen Generationen? Von den sozialen Medien überzeugte mich tatsächlich damals eine jüngere Kollegin. Dafür war meine Meinung gefragt, wenn es in einer verfahrenen Kundensituation scheinbar keinen Ausweg gab. Ich selbst schätzte außerdem den Rat älterer Kolleginnen und Kollegen, die mir in ihrer herrlich gelassenen Art gute Tipps gaben. Wir gingen Hand in Hand. Über Alter sprachen wir nicht. Und das funktionierte großartig. Natürlich gab es auch mal Differenzen, aber es waren Differenzen zwischen Menschen und nicht zwischen Generationen.

Und dann, mit über 50: Berliner Start-Up-Flair

Im Zuge eines meiner Aufträge in der Selbstständigkeit arbeitete ich unter anderem eng mit jungen Berliner Kolleginnen und Kollegen aus der Start-up-Szene. Im Rahmen unserer Aufgaben haben wir das eine oder andere neue Tool eingeführt. Ratet, wer da schneller drin war. – Ich war es nicht! Es gab sogar Extra-Lacher, wenn ich mit meinem damaligen „Schlepptop“ um die Ecke bog. Und ich lachte mit. Dafür war mein Rat bei Verkaufsthemen oder bei manch strategischer Frage geschätzt. Ich denke so gern an diese Zeit zurück. Es wäre nur halb so bereichernd gewesen, hätte es diese Generationenunterschiede nicht gegeben!

„Lasst uns die Altersschubladen schließen. Denn Schubladen trennen dort, wo Gemeinsamkeit wichtig ist“

Generationenvielfalt für mehr Erfolg und ein menschliches Miteinander

Schaffen wir unter den Generationen ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung und bauen dafür Vorurteile ab, können wir Unternehmen damit nicht nur erfolgreicher machen. Es geht um mehr. Unser Arbeitsplatz kann sogar ein Ort sein, für den wir mit Freuden auch mal unser Home-Office verlassen, weil wir uns auf das Zusammensein mit unseren Kolleginnen und Kollegen freuen. Egal, wie alt sie sind!

„Büro, Büro.“ – Fünf Quick-Tipps für die Praxis

  • Löse dich von Vorurteilen. Auch, wenn deine 27-jährige Kollegin Emma weitere Überstunden ablehnt: Das ist nicht „typisch Gen Z“. Hast du nicht auch schon Überstunden abgelehnt? Vielleicht hat sie recht damit?
  • Mach dir deinen Wert für das Unternehmen bewusst. Kenne deine Stärken. Zugegeben: Kollege Leon ist blitzschnell im Umgang mit den Tools und es dauert bei dir länger (ok, viel länger). Falls Leon anfängt, mit den Fingern zu trommeln, während du in der Menüleiste das richtige Icon suchst: Sei dir im Klaren darüber, dass deine Erfahrung viel mehr wert ist als die Geschwindigkeit beim Bearbeiten einer Datei!
  • Gib dein Wissen und deine Erfahrung bereitwillig weiter. Unterstütze die Jüngeren zum Beispiel beim Umgang mit anstrengenden Kunden oder bei Fragen zur „Political Correctness“ im Unternehmen. Je nachdem, was sie von dir wissen wollen.
  • Verbringe die Pausen öfter mit den jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Ist es nicht herrlich, nach Beziehungstipps gefragt zu werden oder einfach nur gemeinsam festzustellen, dass wir „Älteren“ mindestens genauso aufgeregt vor einem Date sind wie sie? Stimmt die menschliche Basis, geht der Rest oft von allein!
  • Nutze Humor und nimm dich auch mal selbst auf die Schippe. Humor ist immer eine wertvolle Brücke!

Mehr über Nicole Waldschmidt

Als Self-Marketing-Mentorin unterstützt Nicole mit ihrem Business Your S.T.A.G.E. Selbstvermarktung Frauen im besten Alter dabei, mit ihrem Schaffen zu überzeugen und bekannter zu werden – in Unternehmen und auf sämtlichen Zielgruppen-relevanten Medienplattformen bis hin zur Bühne. Vor Beginn ihrer Selbstständigkeit im Jahr 2015 war sie über zwei Jahrzehnte innerhalb führender Vermarktungshäuser im Marketing und Sales tätig. Privat lebt sie bewusst und achtsam und glaubt daran, dass es nie zu spät für Neuanfänge und Veränderungen ist.

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