Romys Welt (III): In Sachen Liebe …

Exklusiv auf HEYDAY: Jeden Monat teilt Autorin und Aktivistin Romy Stangl ihre Gedanken über Alltagsthemen, das aktuelle Zeitgeschehen und persönliche Erlebnisse in Form einer Kolumne. Diesmal geht es um die Liebe

Früher gab es in meinem Leben nur ganz oder gar nicht, keinen Unterschied zwischen verliebt sein und Liebe. Ja, auch ich bekam einen der bekannten „Willst du mit mir gehen“ – Zettel, auf dem die Antworten JA, NEIN oder VIELLEICHT zur Wahl standen. Mein Herz schlug bis zum Hals als ihn mir mein erster Schwarm Steffen, ein cooler, gutaussehender Junge eine Klassenstufe höher, mit einem Kreuz beim JA auf dem Schulhof zusteckte. Dies war die erste große Liebe für mich, in meinem kleinen Universum. Von jetzt auf gleich war für mich klar „Wir sind zusammen“, „Die große Liebe“, „Wir gegen den Rest der Welt.“

„Nothing comes between us“

Wir steckten uns fast täglich kleine Zettel mit den magischen Worten „Ich liebe dich“ zu. Aber ich wollte mehr. Ich wollte sie hören, die drei Worte die die Welt bedeuten, so oft es eben ging. „Du hast heute noch gar nicht …“ war meine Art und Weise sie einzufordern und ich ließ kein „Ich dich auch!“ gelten, wenn überhaupt dann nur ein „Ich liebe dich auch“.

Und heute, mit Mitte 40? Mit einer gescheiterten Ehe im Rucksack, einer anschließenden Beziehung die mehr nahm als gab, zwei Kindern im Herzen, der ein oder anderen Affäre, die auf dem Weg verloren ging, und einem seit 13 Jahren neuen Lieblingsmenschen an meiner Seite? Heute tue ich mich schon manchmal mit dem Gedanken an diese Worte schwer, umgehe das gemeinsame Candle Light Dinner, gefühlvolle Zeilen, oder die Herzdeko am Valentinstag. Man handelt nicht so, weil man Angst vor der Reaktion des anderen hat. Sondern weil man verlernt hat über das zu sprechen was man fühlt, verlernt hat, seinem Herzen zu vertrauen, zu leben was ist, und anzuerkennen was nicht ist. Man hat mit dem ständigen „das Offensichtliche aussprechen“, so seine Probleme.

Sage ich ihm wie ich fühle: ja, nein, vielleicht? An diesem Punkt in meinem Leben stellte ich mir die Frage: Was ist Liebe, und was ist sie nicht?

Liebe ist eine Naturgewalt. Wie sehr wir es auch wollen, wir können der Liebe ebenso wenig gebieten, sie fordern oder wegnehmen, wie wir dem Mond und den Sternen und dem Wind und dem Regen befehlen können, nach unseren Launen zu kommen und zu gehen. Wir haben vielleicht eine begrenzte Fähigkeit, das Wetter zu ändern, aber wir tun es auf die Gefahr hin, ein ökologisches Gleichgewicht zu stören, das wir nicht ganz verstehen. In ähnlicher Weise können wir eine Verführung oder eine Brautwerbung inszenieren, aber das Ergebnis ist nicht Liebe, sondern eher Verliebtheit oder zwei Illusionen, die miteinander tanzen.

Was ist die Liebe und was ist sie nicht?

Romy Stangl Romys Welt Kolumne Heyday Magazine Manfred Johan
Foto: Manfred Johan

Die Liebe ist größer als man selbst. Ich kann die Liebe einladen, ich kann ihr aber nicht diktieren, wie, wann und wo sie sich ausdrückt. Ich habe die Wahl, ob ich mich der Liebe hingeben will oder nicht, aber am Ende schlägt die Liebe wie ein Blitz ein: unberechenbar und unwiderlegbar.

Kennst Du das auch, dass man sich dabei ertappt, dass man Menschen liebt, die man überhaupt nicht mag?

Liebe kommt nicht mit Bedingungen, Auflagen, Zusätzen oder Codes. Wie die Sonne strahlt die Liebe unabhängig von meinen Ängsten und Wünschen.

Liebe ist von Natur aus frei. Sie kann nicht gekauft, verkauft oder gehandelt werden. Man kann jemanden nicht dazu bringen, einen zu lieben, und man kann die Liebe auch nicht verhindern – für keinen Geldbetrag. Liebe kann nicht eingesperrt, noch gesetzlich geregelt werden. Liebe ist keine Substanz, keine Ware, nicht einmal eine vermarktbare Machtquelle. Liebe hat kein Territorium, keine Grenzen, keine quantifizierbare Masse oder Energieausbeute.

Man kann Sexualpartner und sogar Ehepartner kaufen. Die Ehe ist eine Angelegenheit des Gesetzes, der Regeln und Gerichte und der Eigentumsrechte. In der Vergangenheit machten der Ehepreis, die Mitgift, und in der Gegenwart die Unterhaltszahlungen und der Ehevertrag deutlich, dass es bei der Ehe um Verträge geht. Bleibt die Frage, haben Ehen, ob arrangiert oder nicht, vielleicht wenig mit Liebe zu tun?

Man kann Loyalität, Kameradschaft, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Mitgefühl kaufen, aber die Liebe selbst ist nicht käuflich und kann in keinen Vertrag gepackt werden. Sie kommt, oder auch nicht, aus Gnade, aus eigenem Willen und zu ihrem eigenen Zeitpunkt –sie unterliegt keiner menschlichen Planung.

Liebe kann nicht als Belohnung eingeschaltet, oder als Strafe ausgeschaltet werden. Nur etwas anderes, das vorgibt, Liebe zu sein, kann als Köder, als Haken, als Lockmittel und Schalter benutzt, nachgeahmt, angedeutet werden, aber wahre Liebe kann niemals zustande kommen, wenn sie nicht frei aus dem Herzen kommt.

Liebe spricht sich für Gerechtigkeit aus und protestiert, wenn Schaden angerichtet wird. Liebe weist auf die Folgen hin, wenn man sich selbst oder anderen Schaden zufügt. Liebe lässt Raum dafür, dass Wut, Trauer oder Schmerz ausgedrückt und losgelassen werden kann. Aber die Liebe droht nicht damit, sich zurückzuhalten, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Liebe sagt weder direkt noch indirekt: „Wenn du ein böses Mädchen bist, wird Mami dich nicht mehr lieben”. Liebe sagt nicht: „Papas kleines Mädchen tut das nicht.” Liebe sagt nicht: „Wenn du geliebt werden willst, musst du nett sein”, oder „Tu, was ich will”, oder „Liebe niemals einen anderen Menschen”, oder „Versprich, dass du mich nie verlässt”.

Die Liebe kümmert sich darum, was aus dir wird, denn die Liebe weiß, dass wir alle miteinander verbunden sind. Liebe ist von Natur aus mitfühlend und einfühlsam. Die Liebe weiß, dass der „Andere” auch man selbst ist. Das ist die wahre Natur der Liebe, und die Liebe kann nicht manipuliert oder gebremst werden. Liebe ehrt die Souveränität jeder Seele. Liebe ist ihr eigenes Gesetz.

Ich glaube es kommt darauf an, den richtigen Moment einfach kommen zu lassen, und der Magie des Augenblicks zu vertrauen.

Natürlich besteht, gerade wenn man älter wird, die Gefahr, dass Frau und Mann zu viel grübeln. Aber was ich ebenfalls gelernt habe; besonders nach der 40 auf der Geburtstagstorte: Es tut einfach gut, meinem Gefühl, meinem Herzen zu folgen und einem Impuls nachzugeben. Dann ist auch ohne Nachdenken und ohne Erwartungshaltung meinerseits im Hinterkopf der richtige Zeitpunkt da, die drei magischen Worte zu sagen. Weil ich in diesem Moment fühle „Ich liebe dich!“. Und nicht, weil ich es selbst hören möchte. Und bis dieser Impuls spürbar kommt, bleibe ich bei „Schön, dass es dich gibt“, „Du tust mir gut!“ und „Jedes Mal, wenn ich dich sehe, ist das wie nach Hause kommen.“


Romy Stangl

Romy Stangl ist Mutter von zwei Kindern, Model, Moderatorin, Vortragsrednerin und vor allem eine nimmermüde Aktivistin für die Rechte und das Empowerment von Frauen: Romy Stangl (45) kämpft mit allen Mitteln und auf vielen Social-Media-Kanälen gegen häusliche Gewalt. Sie ist als Aktivistin bei Terre Des Femmes und Vorstandsfrau von One Billion Rising München tätig, und engagiert sich bei UN Women Deutschland für die Rechte von Frauen weltweit. Überdies begleitet sie eherenamtlich Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, auf ihrem Weg aus dieser Situation, und gibt Frauen auf Youtube und Facebook eine Stimme.

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