„Nackte Körper transportieren eine tiefe Wahrheit“

Magdalena Ławniczak

„Spieglein, Spieglein an der Wand…” – Für viele Frauen ist der Blick auf sich selbst qualvoll und angstbesetzt, weil hier vermeintliche Makel besonders grell ausgeleuchtet werden. Das Instagram-Projekt Body Mirror will Frauen mit ihrem Spiegelbild versöhnen und die Natürlichkeit feiern

Boddy Mirror Heyday Magazine

Magadelena Ławniczak ist die ambitionierte Fotografin hinter dem Body-Positivity-Fotoprojekt Body Mirror, dem auf Instagram bereits mehr als 11.000 Menschen folgen. Magdalena, ursprünglich aus Polen, heute in Paris wohnhaft, hat lange Zeit in der Modewelt gearbeitet und dabei als Fotografin selbst einem grausamen Schönheitsideal zugearbeitet. „Ich habe mit tausenden von wunderschönen Mädchen gearbeitet. Mädchen, die uns in den Magazinen als ultimative Schönheiten präsentiert werden. Aber das Traurige war, dass sie überhaupt keine Ausstrahlung hatten, weil sie so unsicher mit sich selbst waren. Alle waren völlig fixiert auf ihr Gewicht, hatten eine falsche Körperwahrnehmung und Essstörungen – all dies, um die erforderlichen Standards zu erfüllen. Das ist die tragische Realität hinter Glanz und Glamour.“

Doch der Druck, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, wirkte sich nicht nur auf die Models aus, sondern auf alle, die an den Shootings beteiligt waren. So auch auf Magdalena, die im Laufe der Zeit in Bezug auf den eigenen Körper immer unsicherer wurde. „Als Jugendliche habe ich mich nie besonders viel mit meinem Aussehen beschäftigt, dies änderte sich, als ich begann in der Modewelt zu arbeiten.“

Zunehmend sah Magdalena die Modefotografie und den nachträglichen Retuschen-Wahnsinn immer kritischer. „Ich musste die Bilder soweit bearbeiten, dass den Models eigentlich nichts Individuelles mehr blieb. Jede kleinste Falte, jeder vermeintliche Makel musste ausgelöscht werden. Es kam mir aqm Ende so vor, als würde ich den Mädchen etwas wegnehmen.“

Mehr und mehr begann sie, den Sinn und Zweck ihrer Arbeit anzuzweifeln – am Ende stand die Initialzündung für ihr Projekt Body Mirror, das sie 2018 startete, und in dessen Rahmen sie weibliche nackte Körper aller Altersstufen und Körpergrößen fotografiert. Das Besondere dabei: Die Models „posen“ nicht, und es kommen keine künstlichen Lichtquellen zum Einsatz. Im Vordergrund steht die einzelne Frau – ihre Geschichte und ihr individueller Körper. Außerdem verzichtet Magdalena auf jegliche Nachbearbeitung der Fotos.

Gerade durch diese fehlende „Perfektion“ stellt sich eine besondere Nähe mit den Portraitierten ein, die sich hier in all ihrer Verwundbarkeit, mit ihren Dellen, Falten und Röllchen vor der Kamera bewegen. Das Ergebnis sind faszinierende, ästhetische und überaus sexy Aufnahmen von Frauen, die sich ihrer eigenen Schönheit bewusst sind, und sich lustvoll im eigenen Körper bewegen.

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„Mit dem Projekt Body Mirror will ich meinen Teil dazu beitragen, dass sich unsere Vorstellungen von Schönheit wandeln werden

Magdalena Ławniczak

„Ich erinnere mich an mein erstes Shooting mit einer Frau, die vor Selbstbewusstsein und Selbstliebe nur so strahlte, völlig unbeeindruckt davon, ob sie den gängigen Schönheitsidealen entsprach oder nicht. Ich wollte diese Fotos zeigen – als Beispiel wie es eben auch gehen kann.“

Auf die Frage, warum Magdalena ihre Models vor allem nackt fotografiert, sagt sie: „Für mich transportieren nackte Körper eine tiefe Wahrheit und eine ganz besondere Freiheit. Leider sehen wir so selten ‚natürliche’ nackte Körper. Durch Social Media und Werbung werden wir tagtäglich mit unnatürlichen Körperbildern bombardiert und mittlerweile nehmen wir dieses falsche Ideal als ‚normal’ beziehungsweise als schön wahr. Mit dem Projekt Body Mirror will ich meinen Teil dazu beitragen, dass sich unsere Vorstellungen von Schönheit wandeln werden.“

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„Ich glaube, dass wir Menschen heute endlich in der Lage sind, Schönheit in ihrer Vielfalt und Natürlichkeit zu sehen, statt an unrealistischen Idealen festhalten zu müssen

Magdalena Ławniczak
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Caroline Ida findest Du HIER auf Instagram

„Ich will, dass Frauen in den Spiegel schauen und lächeln!“ Magdalena möchte Frauen Mut machen, denn sie ist der Meinung, dass es so etwas wie „klassische“ Schönheit gar nicht mehr gibt. „Ich glaube, dass wir Menschen heute endlich in der Lage sind, Schönheit in ihrer Vielfalt und Natürlichkeit zu sehen, statt an unrealistischen Idealen festhalten zu müssen.“ Für Magdalena drückt die Authentizität eines Menschen seine eigentliche Schönheit aus.

„Die Wahrheit liegt in der Natürlichkeit.“ Daher wählt Magdalena für die Fotos nicht nur Models aus, sondern fotografiert auch Frauen aus dem Bekannten- und Freundeskreis, dazu kommen fremde Frauen, die sie über ihren Instagram Account angeschrieben haben. „Frauen die mich inspirieren, sind solche, die Grenzen überschreiten – Aktivistinnen, Künstlerinnen, starke weibliche Führungspersönlichkeiten.“

Auch mit ihrem eigenen Körper hat Magdalena mittlerweile wieder Frieden geschlossen, versteckt ihre sogenannten „Problemzonen“ nicht mehr und zeigt stolz ihre Narben, die sie von einem früheren Unfall behalten hat. „Seit ich mit Body Mirror begonnen habe, fühle ich mich endlich wieder ruhig und friedlich in mir selbst. Auch meine Narben sehe ich nun als Teil von mir selbst, und ich habe gelernt, sie zu mögen.“



Über Magdalena Ławniczak

Magdalena Ławniczak Boddy Mirror Heyday Magazine

Magdalena Ławniczak hat Philosophie in Warschau studiert, als sie kurz vor dem Abschluss feststellte, dass sie ihr Leben ändern und ihre Leidenschaft – die Fotografie – zum Beruf machen muss. Sie zog nach Paris und wurde schnell als Modefotografin erfolgreich. Jahrelang arbeitete sie für verschiedene internationale Magazine wie etwa Elle, DUST, Apollo, I-D, Vogue und L’Officiel. Ihre bisherigen Arbeiten kann man HIER sehen.

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