„Bei mir gibt es keine Tabus“ – der inspirierende Podcast von Tanja Valérien

Charmant und ehrlich: Tanja Valérien unterhält sich im Rahmen ihrer Podcast-Reihe in intimer Atmosphäre mit Menschen, die mitten im Leben stehen. Unverstellt streift der Dialog Liebe und Schmerz, Höhen und Tiefen, Herausforderungen und Niederlagen

Foto: privat

Einfach mal unbeobachtet Mäuschen spielen und dabei zuhören, wie sich zwei Menschen ernsthaft und mit viel Tiefgang über das Leben unterhalten, und dabei auch mal ans Eingemachte gehen? – Der Podcast Gespräche über Wandlungen von Tanja Valérien (58) macht das möglich, denn ihre Tête-à-Têtes sind nicht nur entspannte Plaudereien, sondern es werden mitunter auch heikle Themen angeschnitten. Tanjas Gäste sind Frauen und Männer in der Lebensphase über 50, die vom Wandel geprägt ist. „Es sind Menschen, die viel erlebt, erfahren, gelitten und geliebt haben, und nun an einem Punkt sind, an dem sie sich neu finden, neu definieren müssen – das fasziniert mich,“ erzählt Tanja in unserem HEYDAY-Interview.

HEYDAY: Wie bewertest Du den Stellenwert von Podcasts im Wandel der Medienbranche – heute und in der Zukunft?

Tanja Valérien Wir werden mit so vielen, schnell wechselnden Bildern konfrontiert, und es scheint kein Ende in Sicht. In dieser Zeit sehnen sich die Menschen nach dem Innehalten, nach eine Pause für die Augen. Podcasts bieten eine Oase der Besinnung, das stille Zuhören, die Konzentration auf eine Sache.

Ich glaube es ist wie ein Schritt zurück in die Kindheit, in der wir mit dem Kassettenrecorder stundenlang Geschichten gelauscht haben. Jetzt sind es Menschen, denen wir lauschen wollen – Menschen die uns inspirieren, uns vielleicht sogar helfen. Dieses Bedürfnis wird sich in Zukunft noch verstärken. Deshalb glaube ich sehr an das Konzept des Podcasts.

Du warst bislang als Kreative im Bereich Design, Styling und Mode-Journalismus tätig. Was hat Dich dazu bewogen, diese Interviewreihe zu starten?

Ich war schon immer sehr neugierig. Mich interessieren die Gedanken meines Gegenübers. Wenn ich zum Beispiel zu Fotoproduktionen fliege, kenne ich am Ende des Fluges das ganze Leben der Person neben mir.

Ich habe mich nur nie getraut, daraus einen Beruf zu machen und zum Fernsehen zu gehen, obwohl es mir öfters angeboten wurde. Ich wollte nicht mit meinem erfolgreichen, beliebten Vater Harry Valérien verglichen werden. Er moderierte 35 Jahre lang das Aktuelle Sportstudio im ZDF sowie die Skirennen, Golf und Schwimmen.

Erst vor drei Jahren, mit 55, habe ich diese Angst vor dem Scheitern im Zusammenspiel mit dem Eintreffen der Menopause verloren – und dann habe ich mich zumindest vor das Mikrofon und als Fotografin hinter die Kamera getraut. Ich mache jetzt einfach, was ich liebe zu tun, und fürchte mich nicht mehr vor Ablehnung.

„Ich spreche mit Menschen, die viel erlebt, erfahren, gelitten und geliebt haben“

Nach welchen Kriterien wählst Du deine Interviewpartner/innen aus?

Sie sollten mich faszinieren, begeistern, erstaunen und berühren. Irgendwie muss da eine Anziehung sein. Zudem sind es Menschen über 50, also Menschen im Wandel. Menschen, die viel erlebt, erfahren, gelitten, geliebt haben. Frauen, die nicht mehr fruchtbar sind, die sich neu finden müssen, neu definieren. Männer, die nicht mehr so getrieben sind von ihrer Potenz, die reflektieren und sich erkennen.

Was ist Deine übergeordnete Idee, mit welchem Anliegen wendet sich Dein Podcast an die Hörer/innen? 

Ich möchte meine Hörer mit den Gesprächen inspirieren, motivieren, unterstützen und ihnen in dieser Zeit des Wandels dabei helfen, dass sie ihre Träume nicht fallen lassen, ihre Visionen leben und spüren, dass das glückliche Leben nicht jenseits der Fruchtbarkeit aufhört.

Wie wichtig ist Dir der Inhalt der jeweiligen Podcast-Episode? Hast Du stets einen individuellen Plan, nach dem das Gespräch ablaufen soll, oder lässt du dich mit Deinen Gesprächspartner/innen einfach treiben?

Natürlich informiere ich mich vorab im Detail über jeden meiner Gesprächspartner. Dann frage ich mich, was ich gerne wissen möchte und schreibe mir die Fragen auf. Während des Interviews entwickelt sich aber oft alles ganz anders, denn das Wichtigste ist das Zuhören. Daraus ergeben sich immer ganz neue Fragen.

Gibt es auch Lebensbereiche – verbunden etwa mit Reizthemen unserer Zeit wie Religion, Politik etc. – auf die Du bei den Gesprächen lieber verzichtest?

Nein, bei mir gibt es keine Tabus. Erst alle Teile ergeben ein wahrhaftiges Bild.

„Ich führe schon eine Art innerer Regie, aber die soll mein Gegenüber nicht spüren. Ich möchte nur sanft lenken, nicht unterbrechen, zuhören”


In ihrer Podcast-Serie „Tanja ValérienGespräche über Wandlung“ unterhält sich die Tochter der Sportreporter-Legende Harry Valérien u.a. mit Journalistin Patricia Riekel, Schauspielerin Desirée Nosbusch, Künstlerin Judith Milberg und Designerin Marlene Poley über das Leben im Allgemeinen, sowie die Veränderungen und Herausforderungen in der zweiten Lebenshälfte im Besonderen. Die Produktion von weiteren Podcast-Folgen mit interessanten Gesprächspartner/innen läuft bereits.
Hier geht es zur Übersicht aller Podcast-Folgen auf Spotify und Apple Podcast.

Tanja Valérien-Glowacz, geb. 26.02.1962, arbeitet nach einem Modedesign-Studium in New York lange als Stylistin und Mode-Redakteurin, bevor sie in München ihre eigene Kreativagentur für Werbung gründet und auch als Designerin tätig ist. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Extremsportler Stefan Glowacz, in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern in Oberbayern.

Tanja Valérien
Foto: privat


Deine Gesprächspartner/innen sind überwiegend erfolgreich, privilegiert, selbstbestimmt und stark. Reizt es Dich, deren fragilere Seite herauszuheben?

Ja, das ist meine Motivation bei jedem Gespräch: den Menschen hinter der Fassade zu entdecken. Das kann auch umgekehrt sein, dass ein Mensch fragil erscheint und man dann spürt, dass er sehr stark ist.

Könntest Du Dir vorstellen, auch weniger privilegierten Frauen/Männern ein Forum zu geben und ihnen eine Stimme zu verleihen?

Natürlich! Aber ich denke nicht, dass die Menschen, die ich bisher interviewte alle privilegiert sind. Desirée Nosbusch z.B. kommt nicht aus einem reichen Elternhaus, wurde lange, wie sie in meinem Interview erzählt, seelisch und körperlich missbraucht. Sie musste immer für ihr Glück kämpfen.

Natürlich interviewe ich hauptsächlich prominentere Menschen, die es „geschafft haben“. Aber das bedeutet nicht, dass sie von jeher privilegiert waren, sondern sie haben einen Weg zurückgelegt. Der interessiert mich besonders. Warum ist der Mensch der, der er jetzt ist. Was hat ihn dazu gemacht.

Bislang kamen Deine Gesprächspartner/innen durchweg aus dem im weitesten Sinne kreativen Bereich. Kannst Du dir auch vorstellen, Frauen und Männer etwa aus der Wissenschaft, der Politik oder der Wirtschaft zum Gespräch zu laden?

Ich habe bereits sieben weitere Podcast-Interviews geführt, und diese erscheinen in den nächsten Monaten. Unter den Gesprächspartnern sind z. B. Sabine Nallinger, ehemalige Grünen-Politikerin und Vorständin der Stiftung 2 Grad – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz, und Katrein Wilms-Wötje, eine Familien-Therapeutin.

Mich interessieren die unterschiedlichsten Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen, aber natürlich bin ich in meinem Umfeld oft näher an Menschen dran, die auch kreativ arbeiten. 

Wir leben heute in einer sehr visuellen Welt, aber auch mit einem Podcast erzeugst Du beim Zuhörer Bilder. Führst Du im Verlauf des Gespräches bewusst Regie oder überlässt du diesen Bereich komplett dem Zufall?

Doch, ich führe schon eine Art innerer Regie, aber die soll mein Gegenüber nicht spüren. Ich möchte nur sanft lenken, nicht unterbrechen, zuhören. Dann fließt alles in eine gute Richtung.

Wie sieht das Verhältnis zu Deiner Zielgruppe aus? Gehen Menschen über 50 deiner Meinung nach mit digitalen Plattformen wie Spotify und Apple Podcast ganz selbstverständlich und souverän um? Welche Art von Feedback erhältst Du?

Ich denke, dass besonders wir Menschen über 50 sehr flexibel und anpassungsfähig sind, und sein müssen. Wir sind in einer Zeit ohne Handy und ohne Computer groß geworden. Wir mussten alle Veränderungen annehmen und die Technik mühsam erlernen. Das fiel nicht immer leicht. Meine Zielgruppe weiß, wie sie einen Podcast finden und hören kann, aber manche brauchen vielleicht etwas länger, um sich darauf einzulassen. Von den ersten Hörern bekomme ich sehr gutes Feedback und ich hoffe, sie empfehlen meinen Podcast ihren Freunden. Ich habe keine Eile und keinen Druck, denn mit dieser Leidenschaft verdiene ich kein Geld. Manche haben ein Pferd, oder ein teures Auto – ich habe meinen Podcast, der mir sehr viel Freude macht.

Auf welche spannenden Gesprächspartner/innen dürfen wir uns in der nahen Zukunft freuen?

Auf Rufus Beck, Margarita Broich, Gab, Anouschka Renzi und andere, ganz wunderbare Menschen, die nicht so bekannt sind, und die ich meinen Hörern gerne vorstellen möchte.


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