„Wir können nicht ewig das sein, was wir waren“

Sky Ticket

Am 9. Dezember hatte das lange Warten endlich ein Ende: die ersten zwei Folgen der Fortsetzung von Sex and the City sind seitdem auf Sky Ticket verfügbar. Natürlich haben auch wir dem Start des Reboots And Just Like That entgegengefiebert. Doch wirklich verändert hat sich eigentlich nicht viel…

Szene aus „And Just Like That”, der Fortsetzung von „Sex and the City“
Die Serie And Just Like That läuft seit 9.12.2021 wöchentlich auf SKY

Fotos: © 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™

Zu Recht ist im Vorfeld viel Kritik laut geworden, denn vier weiße Cis-Frauen, die den Großteil ihrer Zeit damit verbringen zu Brunchen und über ihre Männer, Dates und Sex zu reden, sind aus heutiger Sicht wirklich alles andere als progressiv. Doch dabei darf dabei nicht vergessen werden, aus welcher Zeit die Serie stammt: aus dem Sommer 1998. Damals brachten die meist witzigen Dialoge Tabuthemen auf den Tisch und legten somit den Grundstein für viele feministische Diskussionen. Nun lautete die Devise der Neuauflage mit dem Titel And Just Like That, die Serie in die Gegenwart zu katapultieren. Doch kann das gelingen, ohne dass die Charaktere dabei aus ihren Rollen fallen? Und dann noch ohne Samantha Jones, eine der vier Hauptrollen, die – das war bereits seit Beginn der Dreharbeiten klar – ein Mitwirken ablehnte?

Ich gebe zu, es fällt mir schwer, diese Frage zu beantworten, ohne zu spoilern! Lasst es mich vorsichtig versuchen: Witzige Dialoge vermisst man in den ersten beiden Folgen. Es geht direkt zur Sache. So wird in den ersten Minuten im vollen Restaurant an die Abstandregeln zu Pandemiezeiten erinnert, doch diese scheint überwunden zu sein, denn weit und breit ist kein Mensch mehr zu sehen, der eine Maske trägt. Auch erfahren wir Zuschauer:innen bereits im Intro, weshalb Samantha nicht mehr dabei ist. So steht das Thema Verlust im Raum – und das zieht sich auch durch. Denn ein zweiter großer Verlust kündigt sich zum Ende der ersten Folge an. „Wir können nicht ewig das sein, was wir waren“, schlussfolgert Carrie weise. Und so deutet alles darauf hin, dass auf den Verlust ein neuer Aufbruch folgt. Wir warten also gespannt auf die weiteren Folgen, die nun jeden Donnerstag ab 20.15 Uhr bei Sky Ticket zu sehen seien werden.

Aber was ist denn jetzt neu?

Carrie Bradshaw, die in den 90ern eine Kolumne über Sex in einer bürgerlichen Zeitung veröffentlichte, ist nun Teil eines Podcasts. Allerdings tut sich die ehemals unverblümte Stilikone dabei schwer über Sexualität abseits von altbekannten Dating-Mustern und Beziehungen zu sprechen und riskiert dabei als „das verklemmte cisgender Hetero Weibchen“ abgestempelt zu werden. Doch ihre Chefin Che Diaz gibt ihr einen Rat: „Du musst deiner Pussy einen Schubs geben“. Wir sind also gespannt, was Carrie in den kommenden Folgen im Sinne einer guten Recherche ausprobieren wird.

Szene aus „And Just Like That”, der Fortsetzung von „Sex and the City“
Fotos: © 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™

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Auch bei Miranda hat sich einiges getan. Sie hat ihren Job in der Kanzlei gekündigt und belegt an der Columbia University nun Kurse zum Menschenrecht. Besonders das Thema Antirassismus scheint ihr am Herzen zu liegen, doch die bemühte Juristin blamiert sich stattdessen mehr und mehr, während sie sich in Dialogen mit ihrer schwarzen Professorin über deren Haare verstrickt. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht.

Dies gilt leider auch für den Versuch von Michael Patrick King, dem Drehbuchautor der Serie, der mit allen Mitteln versucht, aktuelle Diskurse in den Fokus der ersten Folgen zu drängen. Natürlich ist es von großer Bedeutung, sich mit antirassistischen und feministischen Diskursen auseinanderzusetzen, jedoch fehlt das dramaturgische Fingerspitzengefühl, diese natürlich wirken zu lassen und so wirken die Dialoge gekünstelt und erzwungen. King versäumt es, mit alltäglichen Gender-Klischees und Stereotypen aufzuräumen. Dies gilt auch für den Umgang mit dem Single-Dasein, das bereits in der Vorgängerserie Sex and the City viel zu kurz gekommen ist. Denn dort herrschte die Devise der Single-Frauen: daten, daten, daten! Aber was ist das für eine Botschaft? Sind Frauen, die nicht in einer Beziehung leben (wollen!) weniger wert? Hier hätte es großes Potenzial gegeben, mit diesem Druck zu brechen. Doch nun verließ mit Samantha die einzige Single-Frau die Serie – bisher ersatzlos.

Szene aus „And Just Like That”, der Fortsetzung von „Sex and the City“
Fotos: © 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™
Szene aus „And Just Like That”, der Fortsetzung von „Sex and the City“

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Besonders negativ in Erinnerung bleibt schließlich eine klassische Lunch-Situation, in der sich Carrie und Miranda eine Portion Pommes teilen. Sie müssen den Schock verarbeiten, dass Miranda am Morgen in ein volles Kondom ihres Sohnes getreten ist. Doch noch schockierender – abgesehen davon, dass auch die Kinder der Serie um 15 Jahre gealtert und somit nun Teenies sind, die Sex haben – ist der Umstand, dass aus den Pommes so ein riesengroßes Ding gemacht wird. Als eine Bekannte von Charlotte die Frauen zufällig im Restaurant trifft, stellt Carrie ohne zu zögern klar, dass sie sich besser kennen müssten, bevor sie sich zu Pommes bekennen würde. Hier erreicht die Serie einen neuen Tiefpunkt. Denn selbst wenn das Kalorienzählen leider in einigen Kreisen noch traurige Realität sein mag, wären die Macher:innen der Serie besser beraten gewesen, den Dialog ersatzlos zu streichen, um diese Muster nicht auch noch zu reproduzieren.

Aber was ist eigentlich mit Charlotte? Da ist die große Veränderung Fehlanzeige – zumindest in den ersten beiden Folgen. Es bleibt also spannend, wie sich die Dritte im Bunde in den nächsten Wochen noch entwickeln wird. Ein Konflikt mit ihrer jüngeren Tochter Rose, die die Hingabe ihrer Mutter zur Mode nicht zu teilen scheint, ist bereits angelegt.

Szene aus „And Just Like That”, der Fortsetzung von „Sex and the City“
Fotos: © 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™
Szene aus „And Just Like That”, der Fortsetzung von „Sex and the City“

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Die Neuauflage des Klassikers läuft jetzt jeden Donnerstag. Ich bin gespannt was da noch kommt. Ihr Potenzial ausgeschöpft haben bislang jedenfalls nur die neuen Kostümbildner*innen Molly Rogers und Danny Santiago, die Patricia Field – der Styling-Ikone von Sex and the City – alle Ehre machen!

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